PV-Angebote vergleichen:
worauf es wirklich ankommt
Eine Photovoltaikanlage ist eine Entscheidung für die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre. Wer Angebote einholt, merkt schnell: Der Blick auf den Endpreis reicht nicht. Die Anlagen sind unterschiedlich groß, Speicher werden intransparent verrechnet, Garantien unterscheiden sich massiv – und manche Posten fehlen einfach.
1. Die eine Kennzahl, die wirklich vergleichbar macht
Der häufigste Fehler beim Vergleichen passiert ganz unten rechts auf dem Angebot: beim Blick auf den Endpreis. Wenn Anbieter A 15.000 Euro will und Anbieter B 18.000 Euro, dann ist A nicht automatisch günstiger. Entscheidend ist, wie viel Leistung Sie für Ihr Geld bekommen.
Der einzige Wert, mit dem sich zwei Angebote sauber vergleichen lassen, ist der Preis pro Kilowatt-Peak, kurz kWp. Kilowatt-Peak ist die Leistung, die Ihre Anlage unter Idealbedingungen liefert – sozusagen die Größenangabe der Anlage.
Nehmen Sie den Preis der reinen PV-Anlage ohne Batteriespeicher und teilen
Sie ihn durch die angebotene Leistung in kWp.
Beispiel: 12.000 Euro geteilt durch 8 kWp ergibt 1.500 Euro pro kWp.
Erst wenn Sie diese Zahl für jedes Angebot ausgerechnet haben, sehen Sie, wer teuer ist und wer nicht. Und Sie merken sofort, wenn ein Anbieter Ihnen eine größere Anlage verkauft hat, statt günstiger zu sein.
Was ein Preis je kWp ist, der Gerüst, Montage und Anmeldung wirklich enthält, können Sie im Rechner nachsehen – ohne dass Sie dafür Kontaktdaten hinterlassen müssen.
2. Rechnen Sie Ihre Angebote direkt hier durch
Tragen Sie ein, was in Ihren Angeboten steht. Der Rechner arbeitet nur in Ihrem Browser, es wird nichts gespeichert und nichts verschickt.
Tragen Sie mindestens zwei Angebote ein, dann sehen Sie den Unterschied.
3. Die Speicherfalle: ein Preis für alles
Viele Anbieter werfen Module, Wechselrichter und Batteriespeicher in einen einzigen Pauschalpreis. Für Sie ist das die ungünstigste Darstellung, die es gibt: Ein teurer Speicher lässt eine eigentlich günstige Anlage teuer aussehen – und umgekehrt kann ein Anbieter eine überteuerte Anlage hinter einem günstigen Speicher verstecken.
Bitten Sie deshalb immer um eine Aufschlüsselung in mindestens zwei Positionen:
- Preis für die reine PV-Anlage: Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion, Montage
- Preis für den Batteriespeicher, getrennt ausgewiesen
Wer das nicht liefern will, hat dafür meist einen Grund. Ein seriöser Betrieb hat kein Problem damit – er weiß ja selbst, was die einzelnen Posten kosten.
4. Was in billigen Angeboten gerne fehlt
Ein Angebot, das auf den ersten Blick unschlagbar aussieht, hat oft Lücken. Die Nachforderungen kommen dann während der Montage – zu einem Zeitpunkt, an dem Sie schlecht Nein sagen können. Prüfen Sie, ob diese vier Punkte ausdrücklich als enthalten aufgeführt sind:
| Position | Worauf Sie achten | Wenn es fehlt |
|---|---|---|
| Gerüst | Die Absicherung des Dachs ist Pflicht, nicht optional | Steht dort „bauseits“, müssen Sie es selbst besorgen, selbst bezahlen – und zusätzlich 19 % Umsatzsteuer darauf |
| Zählerschrank | Viele ältere Schränke entsprechen nicht mehr der geltenden Norm | Nachrüstung oder Austausch wird während der Montage fällig |
| AC- und DC-Montage | Sowohl das Dach als auch der Anschluss im Haus | Sie brauchen zusätzlich einen Elektriker und koordinieren selbst |
| Anmeldung | Netzbetreiber und Marktstammdatenregister | Sie erledigen den Papierkram selbst, mit Fristen |
Ein alter Zählerschrank ist der häufigste unangenehme Nachtrag. Ein seriöser Handwerker sieht ihn sich vor dem Angebot an und schreibt hinein, was zu tun ist und was es kostet – statt es pauschal einzupreisen oder stillschweigend wegzulassen.
5. Regionaler Betrieb oder überregionale Plattform?
In den letzten Jahren sind viele große PV-Vertriebe entstanden, die Anlagen rein digital verkaufen und die Montage an wechselnde Subunternehmer vergeben. Das kann gut gehen. Das Problem zeigt sich erst später: Wenn der Wechselrichter nach fünf Jahren eine Störung meldet, brauchen Sie jemanden, der kommt.
Zwei Fragen klären das schnell:
- „Führen eigene Monteure die Arbeiten aus oder Subunternehmer?“
- „Wer ist mein Ansprechpartner, wenn in drei Jahren etwas ist – und wie erreiche ich ihn?“
Beides sind faire Fragen, auf die jeder Anbieter eine klare Antwort haben sollte. Wichtig ist weniger, ob mit Partnerbetrieben gearbeitet wird – das tun viele, auch gute Betriebe. Wichtig ist, dass Sie einen Vertrag und einen Ansprechpartner haben und nicht im Kreis geschickt werden.
6. Garantie ist nicht gleich Garantie
Bei Modulen wird gern mit „30 Jahre Garantie“ geworben. Dahinter stecken zwei völlig verschiedene Zusagen, die man auseinanderhalten muss:
Leistungsgarantie
Sie sichert zu, dass das Modul nach einer bestimmten Zeit noch einen Mindestanteil seiner Ursprungsleistung bringt, zum Beispiel 80 Prozent nach 25 Jahren. Sie greift nicht, wenn ein Modul kaputtgeht.
Produktgarantie
Das ist die wichtigere Zahl. Sie greift beim Defekt – etwa wenn sich die Folien ablösen oder die Anschlussdose ausfällt. Moderne Glas-Glas-Module sind robuster gebaut und bringen häufig 20 bis 30 Jahre Produktgarantie mit, während ältere Glas-Folie-Module oft nur zwölf Jahre haben.
Wenn im Angebot nur eine Jahreszahl ohne Zusatz steht, fragen Sie nach, welche der beiden gemeint ist.
7. Bei Stromausfall ist die Anlage meistens auch aus
Ein weit verbreiteter Irrtum: „Wenn der Strom ausfällt, habe ich ja meine Anlage und den Speicher.“ Das stimmt bei den allermeisten Standardanlagen nicht. Sie schalten sich bei einem Netzausfall aus Sicherheitsgründen sofort ab – damit niemand am Netz arbeitet, während Ihre Anlage einspeist.
Wenn Sie bei einem Ausfall weiter Strom haben wollen, brauchen Sie eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion. Die erfordert einen dafür geeigneten Wechselrichter und einen Eingriff in die Hauselektrik. Rechnen Sie mit einem Aufpreis im vierstelligen Bereich. Wenn Ihnen das wichtig ist, muss es ausdrücklich im Angebot stehen – sonst ist es nicht dabei.
8. Vorsicht bei schönen Amortisationsrechnungen
Vielen Angeboten liegt eine bunte Rechnung bei, nach der sich die Anlage schon nach acht Jahren bezahlt gemacht hat. Solche Rechnungen sind schnell hingebogen. Zwei Stellschrauben werden dabei besonders gern verdreht:
- Die angenommene Strompreissteigerung. Wer mit sechs bis neun Prozent pro Jahr rechnet, bekommt jede Anlage schnell rentabel.
- Der angenommene Eigenverbrauch. Pauschale 70 Prozent sind unrealistisch. Ohne Batteriespeicher nutzen Sie typischerweise rund 28 Prozent Ihres Solarstroms selbst, mit Speicher etwa 60 Prozent.
Prüfen Sie, ob die Rechnung zu Ihrem Leben passt. Sind Sie tagsüber zu Hause? Haben Sie eine Wärmepumpe oder ein E-Auto, das den Sonnenstrom direkt aufnimmt? Eine ehrliche Beratung rechnet Ihnen nichts schön, sondern mit Ihrem tatsächlichen Verbrauch.
Die Kurzfassung zum Mitnehmen
- Preis pro kWp ausrechnen – ohne Speicher, sonst ist es nicht vergleichbar
- Speicher getrennt ausweisen lassen
- Gerüst, Zählerschrank, AC- und DC-Montage sowie Anmeldung im Angebot suchen
- Fragen, wer montiert und wer später Ansprechpartner ist
- Produktgarantie von der Leistungsgarantie unterscheiden
- Notstrom klar benennen, wenn er gewollt ist
- Amortisationsrechnung auf Eigenverbrauch und Strompreissteigerung abklopfen
Und lassen Sie sich nicht drängen. Ein Angebot, das nur heute gilt, ist ein Verkaufstrick – keine Kalkulation.
Zum 1. Januar 2027 soll die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen wegfallen. Was das für die Rechnung oben bedeutet und was eine Inbetriebnahme bis Jahresende noch sichert, steht hier: Einspeisevergütung 2027 – was sich ändert.
Marvin Schönwald
Geschäftsführer Schönwald Handwerkerservice
Marvin Schönwald führt den Handwerkerservice in dritter Generation und ist zugleich Geschäftsführer von Schönwald Immobilien. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er Bauherren im Raum Heilbronn – von der Sanierung bis zur Photovoltaikanlage. Aus unzähligen Angebotsvergleichen kennt er die Stellen, an denen in PV-Angeboten gerne gekürzt oder schöngerechnet wird, und gibt dieses Praxiswissen hier weiter.