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Photovoltaik und Kosten

Das Gerüst bei der
PV-Montage: Pflicht, Kosten
und versteckte Posten

Bei kaum einer Position gehen Angebote so weit auseinander wie beim Gerüst. Bei den einen steht es im Preis, bei den anderen taucht es gar nicht auf – und wird nach der Montage nachberechnet. Warum auf dem Dach fast immer eines stehen muss, was es kostet, und in welchem Fall plötzlich 19 % Umsatzsteuer darauf fällig werden.

Marvin Schönwald, Geschäftsführer Schönwald Handwerkerservice
Geschäftsführer, Schönwald Handwerkerservice
5 Minuten Lesezeit

1. Warum auf dem Dach fast immer ein Gerüst steht

Eine Photovoltaikanlage zu montieren ist rechtlich gesehen keine Bastelei, sondern eine Bauarbeit. Damit gilt dafür der Arbeitsschutz auf Baustellen – insbesondere die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 38 sowie die Technische Regel ASR A2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen“.

Das ist kein Formalkram. Ein Sturz vom Dach eines normalen Einfamilienhauses ist ein Sturz aus sechs bis acht Metern. Deshalb schreibt der Arbeitsschutz eine klare Rangfolge vor: Zuerst kommen kollektive Schutzmaßnahmen, die alle auf der Baustelle gleichzeitig sichern – also Gerüst oder Seitenschutz. Erst wenn die nicht möglich sind, darf mit persönlicher Schutzausrüstung wie Seil und Gurt gearbeitet werden.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft formuliert das in ihrem Bauportal unmissverständlich: Realistisch betrachtet ließen sich die bestehenden Anforderungen am besten durch ein geeignetes Fassadengerüst erfüllen. Das ist die Einschätzung derjenigen, die hinterher die Unfälle bearbeiten.

2. Wann genau es Pflicht wird

Entscheidend ist weniger die Höhe als die Dachneigung. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall unterscheidet:

Die Schwelle liegt bei 22,5 Grad

Über 22,5° Dachneigung: Es besteht Absturzgefahr an allen Stellen des Daches, weil man wegrutschen kann. Nicht nur an der Kante.
Bis 22,5° Dachneigung: Gesichert werden muss in allen Bereichen mit weniger als zwei Metern Abstand zur Dachkante.

Ein übliches Satteldach hat 35 bis 45 Grad Neigung. Es fällt damit klar in die erste Kategorie – auf so einem Dach gibt es keinen Bereich, in dem man ungesichert stehen dürfte. Bei Flachdächern bis 22,5 Grad ist der sichere Innenbereich größer, weshalb dort manchmal ohne Gerüst gearbeitet werden kann.

Hinzu kommt der zweite Zweck, den ein Gerüst erfüllt: Es ist der Weg aufs Dach und der Weg für das Material. Ein Modul wiegt rund 20 Kilogramm, bei 27 Modulen kommen einige hundert Kilo zusammen. Ohne Gerüst muss all das über Leitern oder einen Kran nach oben.

3. Was ein Gerüst kostet

Marktpreise für ein Gerüst am Einfamilienhaus liegen je nach Gebäudehöhe, Dachform und Standzeit ungefähr zwischen 500 und 1.500 Euro. Nach oben offen wird es bei verwinkelten Dächern, Anbauten oder wenn das Gerüst wegen Lieferverzögerungen länger stehen bleibt als geplant – Gerüste werden pro Woche Standzeit berechnet.

Wir kalkulieren dafür pauschal 600 Euro, und zwar in jedem unserer drei Pakete. Nicht weil wir großzügig sind, sondern weil ein Angebot ohne diese Position schlicht unvollständig wäre. Wer sie weglässt, verkauft keinen günstigeren Preis, sondern einen unvollständigen.

Was kostet Ihre Anlage – mit allem, was dazugehört? Zwei Minuten, ohne Kontaktdaten. Gerüst, Montage, Inbetriebnahme und Anmeldung beim Netzbetreiber sind im angezeigten Preis bereits enthalten. Preis berechnen

4. Warum es in günstigen Angeboten oft fehlt

Ein Angebot wird nicht dadurch günstiger, dass man Positionen weglässt – es sieht nur so aus. Und genau das ist der Zweck. Wer drei Angebote nebeneinanderlegt und nur auf die Endsumme schaut, wählt zuverlässig das mit den meisten Lücken.

Typische Formulierungen, hinter denen sich eine spätere Rechnung verbirgt:

  • „Gerüst bauseits“ – heißt: Sie kümmern sich selbst darum und zahlen es selbst.
  • „Gerüstkosten nach Aufwand“ – heißt: Der Betrag steht erst hinterher fest.
  • „Absturzsicherung sofern erforderlich“ – heißt: Ob es erforderlich ist, entscheidet jemand anderes, und Sie zahlen das Ergebnis.
  • Gar keine Erwähnung – heißt im Zweifel dasselbe.

Der unangenehme Teil kommt später: Wenn das Gerüst erst am Montagetag zum Thema wird, haben Sie keine Verhandlungsposition mehr. Die Monteure stehen vor dem Haus, das Material ist geliefert, und ohne Gerüst geht es nicht weiter.

Wie ein Preis aussieht, in dem alle diese Positionen schon enthalten sind, können Sie in unserem Rechner nachsehen – ohne dass Sie dafür Kontaktdaten hinterlassen müssen.

5. Die Umsatzsteuer-Falle

Hier wird es für Sie bares Geld wert. Seit Januar 2023 gilt für Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 Umsatzsteuergesetz – Sie zahlen also keine Umsatzsteuer.

Das Bundesfinanzministerium hat in seinem Schreiben vom 27. Februar 2023 geregelt, was alles darunter fällt. Und dort steht ausdrücklich: Die Gerüstgestellung ist eine Nebenleistung zur Lieferung der Photovoltaikanlage und teilt damit das steuerliche Schicksal der Hauptleistung. Aber – und das ist der entscheidende Halbsatz – nur, sofern sie vom selben Unternehmer gegenüber dem Betreiber der Anlage geschuldet wird.

Was das praktisch bedeutet

Steht das Gerüst im Angebot Ihres PV-Betriebs, kostet es Sie 0 % Umsatzsteuer.
Bestellen Sie es selbst bei einer Gerüstbaufirma, ist das eine eigene Leistung eines anderen Unternehmers – und darauf werden 19 % Umsatzsteuer fällig.

Bei 800 Euro Gerüstkosten sind das 152 Euro, die Sie nur deshalb zahlen, weil die Position im PV-Angebot gefehlt hat. Ein „Gerüst bauseits“ ist also nicht nur eine verschobene Rechnung, sondern eine teurere.

6. Woran Sie erkennen, ob es wirklich drin ist

Drei Fragen, die Sie jedem Anbieter schriftlich stellen können. Schriftlich deshalb, weil eine mündliche Zusage später niemandem hilft:

  1. Ist die Gerüstgestellung im Angebotspreis enthalten, oder wird sie gesondert berechnet?
  2. Für welche Standzeit ist sie kalkuliert, und was kostet jede weitere Woche?
  3. Wer beauftragt das Gerüst – Sie oder ich? (Diese Frage entscheidet über die 19 % Umsatzsteuer.)

Wenn ein Anbieter bei diesen Fragen ausweicht, haben Sie Ihre Antwort bereits. Wie Sie Angebote insgesamt vergleichbar machen, steht ausführlich im Beitrag PV-Angebote vergleichen.

Die Kurzfassung zum Mitnehmen

  • PV-Montage auf dem Dach ist eine Bauarbeit. Der Arbeitsschutz verlangt zuerst kollektive Sicherung – also Gerüst oder Seitenschutz, nicht nur Gurt und Seil.
  • Ab 22,5 Grad Dachneigung besteht Absturzgefahr auf der gesamten Dachfläche. Ein normales Satteldach liegt deutlich darüber.
  • Marktpreis rund 500 bis 1.500 Euro, abgerechnet nach Standzeit. Bei uns pauschal 600 Euro und in jedem Paket enthalten.
  • Steht das Gerüst im PV-Angebot, gilt dafür der Nullsteuersatz. Bestellen Sie es selbst, kommen 19 % Umsatzsteuer obendrauf.
  • Fehlt die Position im Angebot, ist der Preis nicht niedriger – nur unvollständig.
Quellen und Stand
  1. BGHM: Montage von Solar- und Photovoltaikanlagen auf Dächern, abgerufen 25.08.2026
  2. BG BAU Bauportal: Sicherheit bei der Montage von Photovoltaikanlagen auf Steildächern, Ausgabe 2/2025
  3. Bundesministerium der Finanzen: Nullsteuersatz für Umsätze im Zusammenhang mit bestimmten Photovoltaikanlagen, Schreiben vom 27.02.2023
  4. Regelwerke: DGUV Vorschrift 38 (Bauarbeiten), ASR A2.1, DGUV Information 203-080, DGUV Information 201-011

Stand: 25. August 2026. Angaben zum Arbeitsschutz und zur Umsatzsteuer sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Porträt von Marvin Schönwald

Marvin Schönwald

Geschäftsführer Schönwald Handwerkerservice

Marvin Schönwald führt den Handwerkerservice in dritter Generation und ist zugleich Geschäftsführer von Schönwald Immobilien. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er Bauherren im Raum Heilbronn – von der Sanierung bis zur Photovoltaikanlage. Er plant und baut Anlagen von der Dachprüfung bis zur Anmeldung beim Netzbetreiber und weiß aus der täglichen Arbeit, wo Gesetzesänderungen beim Kunden tatsächlich ankommen – und wo nur Panik gemacht wird.

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