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Photovoltaik planen

Wie viel kWp brauche ich?
Anlagengröße nach Verbrauch
statt nach Dachfläche

Die meisten Angebote beginnen mit der Frage, wie viele Module aufs Dach passen. Das ist die zweite Frage, nicht die erste. Wie Sie in drei Schritten zur richtigen Anlagengröße kommen – mit echten Ertragsdaten für den Raum Heilbronn statt mit Faustformeln aus dem Internet.

Marvin Schönwald, Geschäftsführer Schönwald Handwerkerservice
Geschäftsführer, Schönwald Handwerkerservice
6 Minuten Lesezeit

1. Warum „so viel wie draufpasst“ die falsche Antwort ist

Der häufigste Einstieg lautet: Wie viele Module bekommen wir auf das Dach? Das ist bequem, weil es sich am Aufmaß entscheiden lässt. Aber es beantwortet die falsche Frage.

Eine Photovoltaikanlage verdient ihr Geld vor allem über den Strom, den Sie selbst verbrauchen. Selbst genutzter Strom ist so viel wert wie der Strom, den Sie sonst kaufen müssten – also derzeit größenordnungsmäßig 35 Cent je Kilowattstunde. Eingespeister Strom bringt deutlich weniger. Wer nur nach Dachfläche plant, kann also eine Anlage bekommen, die zwar beeindruckend aussieht, deren Mehrertrag aber größtenteils zum niedrigen Satz ins Netz geht.

Umgekehrt ist zu klein geplant genauso teuer – dazu unten mehr. Die richtige Reihenfolge lautet: erst der Verbrauch, dann der Ertrag, dann das Dach als Obergrenze.

2. Schritt eins: Ihr echter Verbrauch

Nehmen Sie Ihre letzte Jahresabrechnung. Dort steht der Wert, um den es geht – nicht der Abschlag, sondern der Jahresverbrauch in Kilowattstunden. Falls Sie sie nicht zur Hand haben, sind das die Erfahrungswerte, mit denen wir rechnen:

Haushaltsverbrauch im Jahr

1 Person rund 1.800 kWh · 2 Personen rund 2.800 kWh · 3 Personen rund 3.600 kWh · 4 Personen rund 4.200 kWh · 5 Personen rund 5.000 kWh

Entscheidend ist der zweite Teil der Rechnung, und den vergessen die meisten: Was kommt in den nächsten Jahren dazu? Eine Anlage hält zwanzig bis dreißig Jahre. Was Sie heute knapp planen, ärgert Sie zwei Jahrzehnte lang, denn nachträglich erweitern ist deutlich teurer als gleich richtig zu bauen – Gerüst, Anfahrt und Anmeldung fallen dann ein zweites Mal an.

  • Wärmepumpe: rechnen Sie mit rund 3.500 kWh im Jahr dazu.
  • Elektroauto: rund 2.500 kWh bei durchschnittlicher Fahrleistung.
  • Klimaanlage, Pool, Sauna, Homeoffice: je nach Nutzung ein paar hundert bis ein paar tausend Kilowattstunden.

3. Schritt zwei: Was ein kWp hier tatsächlich bringt

Jetzt brauchen Sie eine Zahl, die viele Anbieter großzügig schätzen. Wir haben sie für unseren Standort nachgeschlagen, und zwar bei PVGIS, dem Ertragsrechner der Europäischen Kommission. Der greift auf langjährige Satellitendaten zurück und gilt als Referenz.

Für die Koordinaten von Leingarten, bei 35 Grad Dachneigung und 14 % Systemverlusten, ergibt sich pro installiertem Kilowatt-Peak und Jahr:

Jahresertrag je kWp, Raum Heilbronn

Süd: rund 1.130 kWh
Ost: rund 894 kWh  ·  West: rund 890 kWh
Nord: rund 586 kWh

Ein Ost- oder Westdach liefert also etwa ein Fünftel weniger als ein Süddach – das ist deutlich weniger dramatisch, als viele erwarten. Ein reines Norddach dagegen halbiert den Ertrag beinahe.

In unserem Rechner arbeiten wir bewusst mit 1.050 kWh je kWp statt mit den 1.130 aus PVGIS. Der Grund: PVGIS rechnet ein sauber nach Süden ausgerichtetes Dach ohne Verschattung. Ein Kamin, ein Nachbarbaum oder ein paar Grad Abweichung kosten Ertrag. Wir rechnen lieber vorsichtig und Sie werden am Ende positiv überrascht, als andersherum.

Wie viel Ihr Dach mit Ihrer Ausrichtung erwartbar liefert, rechnet unser Rechner mit genau diesen Werten durch – ohne dass Sie Kontaktdaten hinterlassen müssen.

4. Schritt drei: die Rechnung

Ein Beispiel, vier Personen, keine Wärmepumpe, ein E-Auto geplant:

So kommen Sie auf Ihre Zahl

Haushalt 4.200 kWh + E-Auto 2.500 kWh = 6.700 kWh im Jahr
6.700 kWh geteilt durch 1.050 kWh je kWp = rund 6,4 kWp
Das wäre die Größe, die rechnerisch genau Ihren Jahresverbrauch erzeugt.

Diese 6,4 kWp sind allerdings die Untergrenze, nicht das Ziel. Denn Ihre Anlage produziert mittags im Juni, und Sie verbrauchen abends im Januar. Ohne Speicher nutzen Sie erfahrungsgemäß nur etwa 28 % des erzeugten Stroms direkt selbst, mit Speicher steigt das auf rund 60 %.

Deshalb liegt die sinnvolle Größe in aller Regel über dem rechnerischen Verbrauch – in diesem Beispiel eher bei 9 bis 12 kWp.

Diese Rechnung müssen Sie nicht selbst machen. Unser Rechner fragt Verbrauch, geplante Wärmepumpe, E-Auto, Dachgröße und Ausrichtung ab und schlägt drei passende Größen samt Preis vor. Zwei Minuten, ohne Kontaktdaten. Größe berechnen

5. Warum knapp geplant meist der teurere Fehler ist

Bei den Kosten einer Photovoltaikanlage ist ein erheblicher Teil unabhängig von der Größe: Gerüst, Anfahrt, Elektroarbeiten, Anmeldung beim Netzbetreiber, der Wechselrichter. Diese Posten fallen einmal an, egal ob 16 oder 27 Module aufs Dach kommen.

Das sieht man sofort, wenn man Angebote auf den Preis je Kilowatt-Peak umrechnet – also auf genau die Kennzahl, mit der sich Anlagen vergleichen lassen. Bei unseren eigenen drei Paketen sinkt dieser Wert vom kleinsten zum größten um gut ein Fünftel, obwohl in allen dieselben Module und derselbe Leistungsumfang stecken.

Jedes zusätzliche Modul ist also günstiger als das vorherige. Wer aus Sparsamkeit die kleinste Anlage nimmt, zahlt pro erzeugter Kilowattstunde am meisten. Wie diese Kennzahl funktioniert und warum sie beim Angebotsvergleich die einzige verlässliche ist, steht im Beitrag PV-Angebote vergleichen. Was Ihre Größe konkret kostet, zeigt Ihnen der Rechner in zwei Minuten.

6. Und wenn das Dach nicht mitspielt?

Erst jetzt kommt die Dachfläche ins Spiel – als Obergrenze. Als grobe Orientierung brauchen unsere Pakete:

  • 7,28 kWp: etwa 32 m² zusammenhängende Fläche
  • 9,10 kWp: etwa 40 m²
  • 12,29 kWp: etwa 54 m²

Reicht eine Dachseite nicht, heißt das nicht automatisch, dass die Anlage kleiner wird. Zwei Dachflächen lassen sich kombinieren, und gerade die Kombination Ost plus West hat einen praktischen Vorteil: Sie liefert morgens und abends Strom statt alles mittags auf einmal. Das passt besser zu dem, wann in einem Haushalt tatsächlich Strom gebraucht wird – und erhöht damit genau den Anteil, auf den es ankommt.

Die Kurzfassung zum Mitnehmen

  • Planen Sie vom Verbrauch aus, nicht von der Dachfläche. Die Fläche ist die Obergrenze, nicht der Ausgangspunkt.
  • Rechnen Sie geplante Wärmepumpe und E-Auto von Anfang an mit ein – nachrüsten kostet Gerüst und Anfahrt ein zweites Mal.
  • Im Raum Heilbronn bringt ein kWp bei Südausrichtung rund 1.130 kWh im Jahr (PVGIS). Wir rechnen vorsichtshalber mit 1.050.
  • Ost und West kosten nur etwa ein Fünftel Ertrag. Nord halbiert ihn beinahe.
  • Die sinnvolle Größe liegt fast immer über dem rechnerischen Verbrauch, weil Sie ohne Speicher nur rund 28 % direkt selbst nutzen.
  • Je größer die Anlage, desto günstiger der Preis je kWp. Zu klein geplant ist der teurere Fehler.
Quellen und Stand
  1. Ertragsdaten: PVGIS der Europäischen Kommission, abgefragt am 25.08.2026 für 49,151 N / 9,118 O, 35° Neigung, 14 % Systemverluste
  2. Verbrauchs- und Eigenverbrauchsannahmen: eigene Erfahrungswerte aus unseren Projekten im Raum Heilbronn, hinterlegt in unserem PV-Rechner
  3. Verhältnis der Preise je kWp: eigene Paketpreise, Stand 21.08.2026, jeweils inklusive Gerüst, Montage, Inbetriebnahme und Anmeldung

Stand: 25. August 2026. Ertragsangaben sind Prognosen auf Basis langjähriger Wetterdaten, keine zugesicherten Eigenschaften. Der tatsächliche Ertrag hängt von Verschattung, Dachneigung und Witterung ab.

Porträt von Marvin Schönwald

Marvin Schönwald

Geschäftsführer Schönwald Handwerkerservice

Marvin Schönwald führt den Handwerkerservice in dritter Generation und ist zugleich Geschäftsführer von Schönwald Immobilien. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er Bauherren im Raum Heilbronn – von der Sanierung bis zur Photovoltaikanlage. Er plant und baut Anlagen von der Dachprüfung bis zur Anmeldung beim Netzbetreiber und weiß aus der täglichen Arbeit, wo Gesetzesänderungen beim Kunden tatsächlich ankommen – und wo nur Panik gemacht wird.

Ihr Dach, Ihre Zahl

Welche Größe passt
zu Ihrem Verbrauch?

Unser Rechner nimmt Ihnen die Rechnung ab: Verbrauch eingeben, geplante Wärmepumpe und E-Auto ankreuzen, Dach beschreiben – und Sie sehen drei passende Größen samt Preis. Ohne Kontaktdaten, ohne Anruf hinterher.

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